Unterwegs auf dem deutsch-deutschen Grenzweg

Drei Jahre, zwei Fahrräder, ein Grenzweg: Unterwegs auf dem grünen Band durch Deutschland.

Bevor es 2023 auf Weltreise geht, habe ich schon ein kleines Abenteuer in Deutschland unternommen. 1100 Kilometer bin ich mit dem Fahrrad gefahren. Von Lübeck bis nach Bayern an die tschechische Grenze. Immer entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. 

Einfach losfahren, habe ich 2020 gedacht, mir mein Cityfahrrad geschnappt und bin mit der Bahn nach Lübeck gefahren. Ich konnte damals nicht mal einen Fahrradreifen flicken. Aber ich dachte mir, ich löse das Problem, wenn es soweit ist. Schon mal vorweg: Am Ende der Radtour, die ich in drei Etappen über drei Jahre aufgeteilt habe, konnte ich einen Schlauch flicken und wechseln - habe es aber nicht tun müssen. Bis auf das einmalige Abspringen meiner Fahrradkette gab es keine Pannen.

2020 - Von Lübeck bis Wittenberge,
5 Tage, 278 Kilometer


Vor dem Holstentor in Lübeck

Es geht los. Mit dem Rad vom Hauptbahnhof Lübeck Richtung Holsten-Tor. Der erste von vielen Fotostopps. Dann durch das Naturschutzgebiet Wakenitz. Es geht am Fluss entlang, links die Kleingärten, rechts das Wasser. Der Amazonas des Nordens wird die Wakenitz genannt. Grün ist es auf jeden Fall.

Die letzten Kilometer vor Ratzeburg sind ziemlich bergig für mich, die nur flaches Land gewohnt ist. Auf und ab geht es, doch der Blick auf See und Stadt entschädigt für die Anstrengung. Hinweistafeln am Rand informieren über die Geschichte der umliegenden Dörfer - alle im damaligen Grenzbereich. Erster Übernachtungsstopp in Ratzeburg nach 34 Kilometern.

Blick auf Ratzeburg

Der zweite Tag beginnt mit einem Blick von der „Schönen Aussicht“ auf Ratzeburg. Weiter geht es nach Schlagsdorf. Auf dem Weg um den Mechower See stehen Stelen, die auf das ehemalige Grenzgebiet und die Geschichte hinweisen.

In Schlagsdorf besuche ich das Grenzhus. Viel zum Lesen, veranschaulicht mit Fotos. Video und Aktenordner sind wegen Corona entfernt. Schade. Das Außengelände einige Meter entfernt zeigt, wie die Grenze aufgebaut war mit Grenzturm, Grenzzaun und Abwehrvorrichtungen.

In Schlagsdorf sind alte Grenzanlagen aufgebaut

Auf dem Weg nach Dechow mache ich einen Abstecher nach Lankow, ein geschleiftes Dorf. Die Bürger wurden wegen des Grenzaufbaus gezwungen, ihr Dorf zu verlassen. 1952 die ersten, 1976 die letzten. Das Ortseingangsschild steht noch an der mit Kopfstein gepflasterten Straße. Ein Feldweg führt zum ehemaligen Dorf, wo eine Hinweistafel und ein Stein mit Inschrift an die Geschichte erinnert. Ein bedrückender Ort, der Traurigkeit weckt. 

Ein Gedenkstein erinnert an das einstige Dorf

Zurück auf der Route geht es nach Dechow. Pause am Röggeliner See. Hinter Dutzow passiere ich die Brücke, die über den Grenzbach führt und schon im Dezember 1989 von den Feuerwehren als provisorische Brücke errichtet wurde. Gegen den Widerstand verschiedener Behörden wurde der Wideraufbau von den zwei Gemeinden Kittlitz und Kneese durchgesetzt.

Nach 45,4 Kilometern komme ich in Seedorf an, der Himmel zieht sich zu. Im Gasthof eingecheckt, geht der Regen los. Glück gehabt.

Von Seedorf geht es durch Wald und am Feld entlang nach Zarrenthin. Hier besuche ich das Phaalhus, das über das Biosphärenreservat Schaalsee gelungen informiert. 

Ziemlich ruhig auf dem Radweg durch den Wald

Auf dem Weg nach Lauenburg bin ich ziemlich allein. Es geht durch einen Wald, der parallel zur Grenze Mecklenburg-Vorpommern/ Schleswig-Holstein verläuft und früher Grenzgebiet war. Abstecher zum Denkmal für Martin Gartenschläger, der bei dem Versuch, eine Schussmaschine im Grenzbereich abzubauen, ums Leben kam.

Mitten im Wald wird an Martin Gartenschläger erinnert, der ihr bei dem Versuch eine Schussmaschine abzubauen, starb.

Mit Lauenburg erreiche ich nach 58,3 Kilometern mein Tagesziel. 

Lauenburg, Blick auf die Elbe

Der Morgen des vierten Tages beginnt mit Regen. Er wird mich den ganzen Tag bis zum Ziel Hitzacker begleiten. Jacke und Regenhose halten gut dicht, allerdings sind die Schuhe und Socken durch. Anfängerfehler, keinen Regenschutz für die Füße zu haben.

In Boizenburg besuche ich die Freiluftausstellung „EinFlussReich“ mit Aussichtsturm, die über die Elbe und Hochwasser berichtet. Sie ist wirklich gut gemacht, die Sicht und das Erleben wegen des Regens leider sehr eingeschränkt. Das Elbbergmuseum wenig später – Tafeln unter freien Himmel -  erzählt vom Leben mit der Grenze.

Blick vom Aussichtsturm auf die Elbe

Freiluftausstellung "EinFlussReich"

In Neu Bleckede geht es per Fähre über die Elbe auf die Südseite. War der Weg bisher viel asphaltiert oder auf Platten geht es ein Stück auf einem befestigten Sandweg am Feld entlang. Durch den aufgeweichten Boden ist das Fahren beschwerlich, Hose, Schuhe und Rad werden super dreckig. Da mag man so für eine Pause auch in kein Café einkehren. Das gestaltetet sich eh sehr schwierig, da auf dem Weg kaum eines liegt und wenn, ist es geschlossen. In Neu Darchau finde ich endlich einen Bäcker. 

Warten auf die Fähre. Während der Radtour geht es öfters über die Elbe.

In Neu Darchau geht es mit der Fähre rüber auf die andere Elbseite und hier meist hinterm Deich bis Hitzacker. Ab und zu fahr ich auf die Deichkrone, um einen Blick auf die Elbe zu haben.

Mit der Personen- und Fahrradfähre geht es in Bitter rüber nach Hitzacker. 59,1 Kilometer liegen hinter mir. Neben dem Hotel ist zum Glück ein Fahrradladen, in dem ich Überzieher für die Schuhe kaufe. Die kommen am nächsten Tag gleich zum Einsatz.

Mit der Fähre in Hitzacker geht es wieder rüber nach Bitter.

Mit der Fähre geht es am nächsten Tag zurück ans andere Elbufer und hier entlang bis nach Dömitz. Dazwischen liegt Rüterberg, ein Ort mitten im damaligen Grenzgebiet, der komplett eingezäunt wurde. Zwischen 23 Uhr und morgens kam niemand rein oder raus. 90 Einwohner haben 1989 die Dorfrepublik Rüterberg ausgerufen, ohne zu wissen, dass einen Tag später die Mauer fiel. 

Reste der Grenzanlage in Rüterberg.

In Dömitz geht es über die Brücke auf die Elb-Südseite. Hier kommt man an einer alten Eisenbahnbrücke vorbei, die  im zweiten Weltkrieg zerbombt wurde und heute Symbol der deutschen Teilung ist. Sieht krass aus. So mitten in der Natur ein Stück Eisenbahnbrücke.



Weiter Richtung Grippel gibt es einen Aussichtsturm mit einem tollen Blick auf Elbe und Umland. Ich fahre durch Gorsleben und Lenzen, wo es wieder mit der Fähre über die Elbe geht. Hier steht ein alter Grenzturm, den man besteigen kann.

Grenzturm in Lenzen

Aussicht vom Grenzturm in Lenzen.

Und dann geht es wunderbar auf dem asphaltierten Deich an der Elbe entlang. Doch von hinten rollt die Regenfront heran, Hose und Jacke übergezogen und dann geht der Regenguss auch schon los. Ich finde Unterschlupf an einem Rastplatz mit Bank und Dach und harre eine halbe Stunde aus, bevor es bis Wittenberge geht und ich den Tag nach 82,5 Kilometer beende. Hier beende ich auch die erste Etappe auf dem deutsch-deutschen Grenzweg.

2021 - Von Wittenberge nach Ilsenburg,
3 Tage, 316 Kilometer

Ein Jahr später habe ich mir ein Trekkingrad zugelegt und kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie ich mit dem Cityrad die erste Etappe bewältigt habe. Mit der Bahn nach Wittenberge, von dort radel ich nach Schnackenburg, wo ich auf den deutsch-deutschen Grenzweg treffe.

Blick auf Schnackenburg


In Schnackenburg ist mein Trinkvorrat aufgebraucht, doch einen Supermarkt oder Kiosk finde ich hier nicht. Im Grenzmuseum kann ich zum Glück eine kleine Wasserflasche kaufen. Das hilft kurzzeitig.

Weiter geht es Richtung Arendsee und nördlich um den See herum, hinter diesem quere ich die Grenze von Sachsen-Anhalt und Niedersachsen und fahre bis Salzwedel, wo ich die erste Nacht nach etwa 80 Kilometern Radtour verbringe.

Der zweite Tage führt mich durch die Altmark. Weit und breit gibt es keinen Supermarkt. Es ist sehr heiß. In einem Dorf frage ich am Gartenzaun ein älteres Ehepaar nach Wasser und sie füllen mir meine Wasserflasche mit Wasser aus ihrem Trinkwasserbrunnen. Danke. 

Grenzturm in Sachsen-Anhalt zwischen Luckau und Seeben

Ich folge dem Altmark-Radweg, dessen Umfeld ich als eher langweilig empfinde. Es gibt wenig zu erleben oder anzuschauen. Zumindest bis Böckwitz, wo es eine kleine Burg gibt, die eine Ausstellung zur deutsch-deutschen Grenze beherbergt. Sie ist an dem Tag leider geschlossen. Böckwitz gehörte zur Ostzone und Zicherie zur Westzone. Die Dörfer wurden durch Stacheldraht und Zäune getrennt, später durch eine Betonmauer. Auf dem Grenzlehrpfad, der nach Jahrstedt führt, sind Originalteile der Grenzanlagen zu sehen.

Grenzlehrpfad bei Böckwitz/Zicherie

Kurz vorm Zielort Oebisfelde geht es durch das Biosphärenreservat Drömling, eine Niedermoorlandschaft, in der ich neben kleinen Bächen entlangradel. Die Nacht verbringe ich nach 106 Kilometern in Oebisfelde. 

Der dritte und letzte Radlertag wird anstrengend. Ich muss 120 Kilometer bis Ilsenburg zurücklegen, da habe ich mich etwas verplant. Hotels oder Pensionen auf dem Weg sind bereits ausgebucht, ich kann also keinen ungeplanten Stopp einlegen.

Sehr oft komme ich auf dem Grenzweg an solchen Schildern vorbei

Also geht es sehr früh los. Die ersten 37 Kilometer führen nach Marienborn. Doch kurz vor der Gedenkstätte muss ich die A2 queren. Leider ist die Fahrradbrücke gesperrt, weil sie neu gemacht wird. Eine Umleitung ist nicht ausgeschildert. Ich fahre einen vier Kilometer Umweg über Morsleben und verpasse die Gedenkstätte.

Von Marienborn geht es nach Hötensleben, wo originale Grenzanlagen erhalten geblieben sind. Die Stadt lag zum Teil nur 35 Meter von der Grenze entfernt. Grenzturm, Grenzzaun, Kolonnenweg können erlebt werden.

Grenzturm in Hötensleben

Wenige Kilometer weiter kommt das nächste Highlight: der ehemalige Braunkohletagebau Schöningen mit Blick in die riesige Kuhle. Es gibt einen Wander- und Radweg am Tagebau entlang mit erklärenden Schildern.

Aufgrund der Kilometer, die noch vor mir legen, halte ich mich nur kurz dort auf und fahre nach Schöningen. Mittagspause und Termin für den Corona-Schnelltest, den ich 2021 für jede Hotelübernachtung brauche. Gar nicht so einfach, Testzentren auf dem Grenzweg zu finden, die dann noch geöffnet haben, wenn ich vorbeikomme.

Alter Braunkohletageabbau bei Schöningen

Von Schöningen geht es nach Hornburg. Nach einem Anstieg bleibt der Radweg zum Glück auf gleichen Höhenmetern. Ich komme am Grenzdenkmal Hessendamm vorbei, wo noch ein alter Grenzturm direkt an der Straße steht. 

Auf dem Weg nach Hornburg holt mich die Regenwolke ein und ich stelle mich unter einem Baum. Der Regen dauert zum Glück nicht lange, denn noch bin ich nicht am Ziel. Hornburg hinter mir lassend, liegt der Harz vor mit. 100 Kilometer sind schon in meinen Beinen. Es geht bergauf, aber die Anstrengung lohnt sich.

Als ich aus dem Wald rauskomme, eröffnet sich mir der Blick auf den Brocken. Ich passiere die ehemalige Grenze, fahre von Niedersachsen nach Sachsen-Anhalt und komme am Rhodener Grenzturm vorbei.

Brockenblick (links der Berg)

Ehemalige Grenze Niedersachsen, Sachsen-Anhalt
Rhodener Grenzturm

Radweg führt über den Kolonnenweg

Hinter Wülperode steht an der Straße ein alter Grenzzaun. Auch der Sperrgraben ist noch erhalten. Vor Ilsenburg geht es in den Wald. Es dämmert schon. Ich fahre also bei schwindendem Tageslicht allein in einen Wald und verlasse mich auf mein GPS. Gut fühle ich mich nicht dabei, habe aber keine Alternativroute parat. Ich denke, die paar Kilometer schaff ich jetzt. Dann geht es stark bergauf. Ich aktiviere meine letzten Reserven und kann dann aber den letzten Kilometer ins Zentrum von Ilsenburg hinabrollen. Geschafft. 130 Kilometer zeigt mein Tacho.

Am vierten Tag geht es von Ilsenburg mit der Bahn zurück nach Hause. Doch weil es in der Stadt nicht so viel zu erleben gibt, setze ich mich noch mal aufs Rad und bin 23 Kilometer später in Goslar und steige dort in den Zug.

2022 - Von Ilsenburg zur tschechischen Grenze, 10 Tage, 650 Kilometer

Ich fahre mit der Bahn bis nach Walkenried. Damit lasse ich 50 Kilometer von Ilsenberg bis Walkenried durch den Harz aus, da mein Fahrraderfahrung in den Bergen sich in Grenzen hält. Ich wollte nicht gleich zu Beginn der Tour durch die Höhenmeter entmutigt werden. 

In Walkenried besuche ich das Zisterzienserkloster, dessen Kirche noch in Ruinen erhalten ist. Anders die Klausur mit Kreuzgang und Co, in dem ein tolles Museum die Geschichte der Mönche erzählt. Und das nicht staubtrocken, sondern anschaulich mit Audioguide, viel Material zum Gucken, mit mehr als nur Lesetafeln.

Ruine der Kirche des Zisterzienserklosters in Walkenried

Nach dem Besuch beginnt die dritte Etappe auf dem deutsch-deutschen Grenzweg. Es geht auf- und abwärts. Gefühlt länger bergab als bergauf. Erstmals geht es über die Grenze nach Thüringen, später zurück nach Niedersachsen.

Mit Duderstadt erreiche ich nach 35,75 Kilometern mein erstes Übernachtungsziel. Die Stadt hat mehr als 600 Fachwerkhäuser verschiedener Stilepochen. Die Grenze begegnet einem in verschiedensten Arten. In Duderstadt als Bronzefiguren "Die Wiedervereinigung" und "Grenzbeobachter".

"Die Wiedervereinigung" in Duderstadt

Am nächsten Tag ist Bad Sooden-Allendorf mein Ziel. Hinter Duderstadt liegt der Radweg am Grenzlandmuseum Eichsfeld. Hier verlief die Grenze zwischen britischer (Niedersachsen) und sowjetischer (Thüringen) Besatzungszone. Auf dem Grenzweg ist die Grenze nachvollziehbar dargestellt. Der Radweg führt über den erhaltenen Kolonnenweg sehr steil aufwärts. Der Abstieg wird mit einem fantastischen Blick belohnt. Ich fahre auch zum Aussichtsturm auf der westlichen Seite.

Blick vom Aussichtsturm auf der westlichen Seite bei Duderstadt



Im weiteren Verlauf ist der Radweg ein einziges Auf und Ab. Die Anstiege sind zum Glück im zweiten/ dritten Gang zu schaffen. Dann treffe ich in Werleshausen auf den Fluß Werra. Es bleibt flach. Nach 70,78 Kilometern erreiche ich Bad Sooden-Allendorf. 

Der Grenzweg führt an der Werra entlang.

Den dritten Tag verbringe ich auf dem Werratal-Radweg. Es geht entlang des Flusses oder durch die Wälder. Rings um mich herum sind Berge. In Wanfried mache ich am alten Hafen Rast, wenig später in Probsteizella gibt es Mittagessen auf einem Reiterhof mit Biergarten. Kurz davor ging es direkt an der Bergwand entlang. Die Natur hier ist einfach toll.

Der alte Hafen von Wanfried.
 In Hörschel verlasse ich den Grenzweg, um zwei Tage in Eisenach zu verbringen. Da ich keine Lust habe, auf die Bahn zu warten, fahre ich die neun Kilometer mit dem Rad und erreiche nach ingesamt 86,13 Kilometer Tagesetappe mein Ziel. 

In der Drachenschlucht.

Nach zwei Tagen mit Drachenschlucht, Wartburgbesichtigung, Stadtführung und Bachmuseum fahre ich mit der Bahn von Eisenach bis Gerstungen und skippe so die ersten 20 Kilometer. Von da geht es gemütlich bis Herlingen, den Mont Kali im Blick, wo ich das Kali-Bergbaumuseum besichtige.
Der Berg besteht aus Salz, dass nicht weiter verarbeitet oder verwendet werden kann. 

Es gibt mehrere Salzberge in der Region.

Weiter geht es bis Phillipsthal, wo ich über die Brücke der Einheit fahre. Die Anstiege auf der Tagesetappe sind okay, allerdings herrscht die ganze Zeit Gegenwind. Den Anstieg zum Point Alpha meister ich fahrend und schiebend.  

Während auf dem deutsch-deutschen Grenzweg bisher DDR-Grenzanlagen zu sehen waren, wechselt hier die Perspektive. Am Point Alpha lerne ich die Grenze aus Sicht der US-Streitkräfte kennen und werden über den Kalten Krieg informiert. Auf thüringischer Seite steht das Grenzmuseum "Haus auf der Grenze", durch das der Kolonnenweg führt. Beides ist eine Besichtigung wert.

Kolonnenweg im ehemaligen DDR-Gebiet. Im Hintergrund der Beobachtungsturm von Point Alpha.

Die Brücke der Einheit bei Phillipsthal.

Mit Geisa erreiche ich nach 50 Kilometern mein Tagesziel.

Viel mehr Kilometer habe ich mir für den nächsten Tag nicht vorgenommen, denn bis Fladungen sind einige Höhenmeter zu bewältigen. Von Geisa bis Hilders bleibt es noch relativ auf einer Ebene auf dem Ulsterradweg. Ab Battes kommt der Anstieg bis hoch zur Grenze, der fast nur schiebend geht. So stand es auch im Radführer von Bikeline. Für drei Kilometer habe ich 70 Minuten gebraucht. Puh.

Dann komme ich das erste Mal über die Grenze nach Bayern. Ich kreuze dafür den alten Kolonnenweg. Über einen Trampelpfad geht es in den Wald, dann hoch zum Heimatblick. Auf 800 Höhenmeter habe ich den höchsten Punkt auf dem Grenzweg erreicht. 

"Heimatblick" auf 800 Höhenmetern.

Der Kolonnenweg ist noch sichtbar.

Bis Fladungen geht es nur bergab. Der letzter Anstieg des Tages bringt mich zum Hotel. 46 Kilometer zeigt der Tacho.

Die Tour am nächsten Tag beginnt mit einem fiesen Anstieg, geht dann aber lange bergab. Insgesamt komme ich an zwei Grenztürmen vorbei, fahre viel Straße, die zwar wenig befahren sind, aber abseits ist doch entspannter. Es kommen ein paar Anstiege, aber alle leistbar. Außer Henneberg, da schieb ich hoch. Wenn es nicht auf der Straße vorangeht, ist die Strecke wirklich toll. Nach 59,41 Kilometern komme ich in Bad Königshofen an.

Der Tag startet mit relativ ebener Strecke. An sich sind die Anstiege leistbar. Der erste führt zum Bayernturm in Sternberg, der eine tolle Aussicht bietet. Wenig später radel ich zur Veste in Heldburg hoch, wo ich das Burgmuseum besuche.
Gegen 17 Uhr erreiche ich nach 64,83 Kilometern die Unterkunft in Streufdorf.

Veste Heldburg mit dem Burgenmuseum
Schafe auf der Straße abwärts von der Veste Heldburg

Der Bayernturm

Von Streufdorf nach Neustadt bei Coburg geht es stetig bergauf, drei Mal muss ich schieben, weil es sehr steil ist. Die 59,98 Kilometer gehen durch Wälder und auf Radwegen entlang. Ich fahre nur wenig auf der Straße. Einen schönen Blick auf die Bahnbrücke über den Froschgrundsee, ein Hochwasserschutzbecken, gibt es bei Schönstädt.

Blick auf Bahnbrücke am Froschgrundsee

Am nächsten Tag liegen 75,97 Kilometer bis Probstzella vor mir. Es ist der erste Regentag mit zwei Schauern. An diesen Tag führt der Radführer mich nicht so zuverlässig, drei mal geht es nicht so weiter, wie er sagt, auch die Ausschilderung ist manchmal anders. Ich finde aber den Weg. Die Höhenmeter erklimme ich schleichend. Es ist ein stetiger seichter Anstieg, was ich auch in den Beinen merke.

Entlang der Tettau ist es beklemmend, da die Berge sehr dicht ranrücken, die Weite fehlt mir. Hinzukommt, dass mir kein Mensch begnet und die Regenwolken immer dichter kommen. Es gibt über Kilometer nicht eine Bank. Also Pause auf dem Asphalt.

Vorm Ende der Tagesetappe kommt die Thüringer Warte, die einen tollen Ausblick bietet. Danach geht es bergab und ich radel von oben auf die Burg Lauenstein zu. Ein Anblick, der alle Anstrengung des Tages vergessen lässt. Ich übernachte im Bauhaushotel, das 1927 erbaut wurde und den Bauhausstil lebt. 

Blick auf die Burg Lauenstein

Der folgende Tag wird die anstrengenste Etappe werden. Es geht fast nur bergauf, oftmals recht steil. Ich muss schon nach vier Kilometer auf einen durch Regen und Forstarbeiten sehr durchweichten Waldweg zwei Kilometer bergauf schieben. Ein Stück der Etappe führt auf den Rennsteig entlang. Ich bin froh als ich nach 55,14 Kilometern in Hirschberg ankomme.

Am letzten Tag geht es durch Mödlareuth. Die deutsch-deutsche Grenze führte mitten durchs Dorf, was heute noch anschaulich zu erleben ist. Dann geht es zum Drei-Staaten-Stein Sachsen/Thüringen/Bayern. Es bleibt bergig. Doch die wenigen Kilometer bis zur Grenze sind schnell geschafft. Angekommen am Dreiländereck an der tschechischen Grenze geht es über eine Holzbrücke nach Tschechen, wo der Eurovelo13 weitergeht. Ich beendet nach 1100 Kilometer Grenzweg meine Radtour.

Grenzanlagen in Mödlareuth

Ziel erreicht: die tschechische Grenze.

 Ich radel nach Hof, wo ich die Bahn zurück nach Hause nehme.

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