Tongariro Alpine Crossing: Ein Erlebnis für sich

Was für ein kleines Abenteuer. 19,4 Kilometer bin ich durch ein aktives Vulkangebiet gewandert. Auf 1900 Metern Höhe habe ich in einen Vulkankrater geschaut und damit ein Wunsch auf meiner Bucket List erfüllt. Doch das war nicht das einzige Highlight. Beim Tongariro Alpine Crossing ist der gesamte Weg ein Erlebnis. Eine unglaublich schöne, erstaunliche und abenteuerliche Tour. 

Blick auf den Mt. Ngauruhoe und davor der Red Crater. An der rechten Seite führt der Weg lang.

"Crossing requires a moderate to good level of fitness"

Die Wanderung hatte ich erst gar nicht auf dem Zettel. 20 Kilometer, bis zu 1200 Höhenmeter Unterschied, steile Aufstiege und Abgänge, zudem wird ein gutes Fitnesslevel vorausgesetzt – ich wusste nicht, ob mein bisheriges Training im Alltag - also Fahrrad fahren und joggen - dafür ausreichen. Wie ich jetzt weiß, ja. Und auch viele Neuseeländer, mit denen ich gesprochen habe und die die Tour gemacht haben, sagten, ich schaffe das.


Los geht's. Im Hintergrund der Mt Ruapehu.
Also habe ich wieder mal einen Tag im Tongariro Nationalpark verlängert und das Shuttle für das Tongariro Alpine Crossing gebucht. Das brachte mich am Samstagmorgen zum Ausgangspunkt an der Mangatepopo Road  auf 1100 Meter Höhe und holte mich in Ketetahi auf 700 Höhenmeter wieder ab. Nach fünf Tagen Wolken an den Bergen war es der erste Tag mit blauen Himmel. Und der blieb die gesamte Wanderung.

Drei aktive Vulkane im Nationalpark

Im Tongariro Nationalpark gibt es drei aktive Vulkane: Mt Ruapehu, Mt Ngauruhoe und Mt Tongariro. Jederzeit könnte es eine Eruption geben, davor warnte auch noch mal der Shuttle-Fahrer bevor er mich und die anderen Wanderer in die Wildnis entließ. Sehr einsam war es auf dem Trail also nicht. An diesem sonnigen Tag haben wohl um die 2500 Leute das Crossing gemacht. Daher war es am Anfang des Weges auch eher eine Massenwanderung.

Am Anfang waren die Wanderer noch dicht beeinander.

Blick auf Ebene und Mt Ngauruhoe.
Ich habe erst mal die Gruppen vorgelassen und geschaut, dass ich nicht die japanischen Wanderer vor und die spanischen hinter mir habe, die sich sehr viel zu erzählen hatten.

Die Tour führt zwischen den beiden Vulkanen Mt Ngauruhoe und Mt Tongariro durch. Die ersten 4,4 Kilometer blieb es noch relativ flach, ging es durch eine Ebene auf die Vulkane zu. Der Weg war beplankt oder mit kleinen Steinen geschottert. Die Flora reichte bis zu den Knien, je höher es wurde, desto niedriger wurden die Pflanzen. Und je näher wir den Vulkanen kamen, desto größer wurden die Geisteinsbrocken.

Je höher es ging, desto besser wurde der Ausblick.
Hoch zum South Crater ging es dann auch mit Hilfe von Treppen relativ steil den Berg hoch, doch der Ausblick beim Blick zurück war jede Stufe wert. Der Nationalpark lag zu unseren Füßen. Der Mt Ngaurauhoe direkt neben den Wanderern. Sein Krater kam mit jedem Schritt ebenfalls dichter. Auf 1660 Meter angekommen, konnte man die Spitze des Vulkans sehr gut sehen und den Weg, den die Lava bei der letzten Eruption 1975 genommen hatte.

Der Weg führt über ungewohntes Gelände

Mt Ngauruhoe, die Spitze im Blick
Kurz ging es über eine Ebene bevor der nächste Anstieg losging. Der Weg manchmal plattgetreten, manchmal loser Sand, sehr oft mit großen und kleinen Steinen, wo man schnell mal rutschen oder hängen bleiben kann, wenn man das Bein nicht richtig anhebt. 
Der Weg nicht immer befestigt.

Und dann kommt er ohne große Ankündigung: plötzlich ist man oben, geht ein paar Schritte und blickt in den Red Crater. Vor 10000 Jahren ist er explodiert und seitdem aktiv geblieben, informiert eine Tafel. Die Lava, die in den Central Krater geflossen ist, sei vielleicht 200 Jahre alt.

Red Crater
Die drei Seen, die man kurz darauf sieht, sind ebenfalls durch Eruptionen entstanden. Das leuchtend blaue Wasser hebt sich extremen von den braunen, roten und schwarzen Farben, die sonst vorherrschen, ab. Der Uferrand schimmert gelb und grün. 

Emerald Lakes
Der Abstieg zu den Seen ist sehr abenteuerlich. Kein Weg, kein Geländer. Nur der lose Sand, Steine und die Wanderschuhe, die einem halt geben sollen. Und so geht es für mich seitwärts halb gehend halb rutschend bergab. Die Seen hinter mich lassend geht es auf einer Ebene Richtung Blue Lake.


Das war der Weg runter.
Immer wieder drehe ich mich um, denn der Blick auf Red Crater und Vulkan ist einfach unglaublich schön. Beim Blue Lake habe ich die Hälfte des Weges geschafft. Der anstrengendste Teil liegt hinter mir – eigentlich. Doch schon im Vorfeld war zu hören, dass der Abstieg sich lange zieht.

Das schwarze auf der Erde ist erstarrte Lava, kein Wolkenschatten.

Panorma mit Blue Lake und Vulkan
Doch das macht nichts. Denn der Ausblick entschädigt für alles. Es geht bergab in Schlängellinien immer den Lake Rotoaira und Lake Taupo im Blick. Führt der Weg am Anfang noch über große Steine, ist er später befestigt. Die letzten Kilometer führen durch den Wald zum Parkplatz. Hier ist noch mal Konzentration und Kraft gefragt, denn es geht tatsächlich noch mal ein paar Treppenstufen bergauf, über Wurzeln und andere Unebenheiten im Boden. 

Sanfter langer Abstieg mit Blick auf die Seen.

Der Rückweg schlängelt sich durch die Landschaft.

Am Ende durch den Wald.

Am Ende des Wegen keine Jubelschreie oder euphorische Begrüßungen der Mitwandernden, die schon am Parkplatz aufs Shuttle warten. Nur wissende Blicke, zustimmendes Nicken und eine große innere Freude und Ruhe. Geschafft. Erst mal hinsetzen.

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