Südinsel: Entschleunigung an der Westküste Neuseelands

Wer nur wenig Zeit auf der Südinsel von Neuseeland hat, der fährt die Strecke zwischen Abel Tasman Nationalpark bis zu den Gletschern Franz Josef und Fox mit einem Stopp an den Pancake Rocks meist durch. Immerhin mehr als 450 Kilometer, die auf Neuseelands Straße nicht in fünf Stunden zu schaffen sind. Darin erinnern auch regelmäßig Schilder am Straßenrand: "New Zealands roads are different. Drive with care."

Pancake Rocks
Ich habe zwischen Carters Beach im Norden der Westküste nahe Westport und Fox Glacier fünf Tage verbracht. Kann man machen, muss man aber nicht, wird vielleicht ein Fazit am Ende meiner Reise in Neuseeland sein.

Robbensichtung am Cape Foulwind/ Tauranga Bay

Nach fünf Stunden Autofahrt von der Golden Bay nach Carters Beach an die Westküste bin ich zum Cape Foulwind gefahren und habe dort am späten Nachmittag den gleichnamigen Walk gemacht. Ein Weg entlang der Küste zwischen einem kleinen Leuchtturm und einer Robbenkolonie. Die Robben hatten gerade eine Menge Nachwuchs bekommen, die man von einer Plattform aus aus sicherer Entfernung beobachten konnte.

Cape Foulwind Walkway

Robben in der Tauranga Bay

Cape Foulwind Walk

Unterwelt-Abenteuer in Charlston

Am nächsten Tag bin ich nach Charlston gefahren, um dort bei Underworld Adventures eine geführte Höhlenwanderung mit Wasserrafting zu machen. In dicken Neoprenanzügen und wassergeeigneten Schuhen sind wir mit einer kleinen Bahn durch den Regenwald zur Tropfsteinhöhle gefahren. Durch diese sind wir mit unseren großen Schwimmreifen im Arm gelaufen, manchmal gebückt, manchmal auf sehr schmalem Pfad.

Ich in der Tropfsteinhöhle. (Foto: Underworld Adventures)

Als Zug ging es auf dem Wasserlauf durch die Höhle. (Foto: Underworld Adventures)
Dabei haben wir einmal unsere Stirnlampen am Helm ausgeschaltet, um komplette Dunkelheit zu erfahren. Nicht mal die Hand vor den Augen war zu erkennen. Und beim zweiten Mal wurden Glühwürmchen sichtbar. Die schauten wir uns bei Licht dann noch mal genauer an. Arme Kreaturen, die nur leben um Nahrung zu sammeln, dann zu wachsen, sich zu vermehren und zu sterben. Das Leuchten ist übrigens ihre Ausscheidung und lockt die Insekten an.
Die unterschiedlichsten Formationen haben wir gesehen. (Foto: Underworld Adventures)

Licht, Wasser, Dunkelheit - eine tolle Mischung (Foto: Underworld Adventures)
Dann ging es tief unten in der Höhle in den unterirdischen Wasserlauf. Die Füße des anderen unter den Achseln, glitten wir wie ein Zug durch das Wasser in die erste große Kammer. Und da waren sie: tausende Glühwürmchen an der Decke und den Wänden. 

Nachdem wir aus der Höhle raus waren, ging es auf dem Fluss weiter mit Wasserrafting. Doch während es auf der Nordinsel zu viel Regen gab, hatte der Fluss so wenig Wasser, dass ein Rafting kaum noch möglich war. Wir mussten also oft die Hintern richtig hochnehmen, um nicht an den Steinen im Wasser hängen zu bleiben. Hat trotzdem viel Spaß gemacht.

Mit noch mehr Wasser im Fluss muss der Spaß immens sein. (Foto: Underworld Adventures)

Pancake Rocks: Besondere Felsformationen

Am nächsten Tag ging es ganz früh zu den Pancake Rocks, die ich gegen 8 Uhr erreichte. Grund: Es war noch Hochwasser und dann sind die Blowholes in den Steinen besser zu hören. Die Akustik, die die Wellen in den ausgehöhlten Felsen verursacht, ist schon sehr cool. Eine Wasserfontäne, aus einem Blowhole heraus, habe ich allerdings nicht gesehen, nur erahnen können. Lag vielleicht daran, dass das Wasser sich zurückzog.

Jede Welle nimmt ein Stück Kalkstein mit.

Wegen ihrer Schichten heißen die Felsen Pancake Rocks.

Die Pancake Rocks bestehen aus Kalkstein und wurden vor 35 Millionen Jahren unter Wasser geformt. Wissenschaftler wissen allerdings nicht genau, wie es zu der Schichtenbildung kam, die den Felsen ihren Namen geben, steht auf einer Infotafel. 

Weiter ging es bis Hokitika zum Hokitika Gorge, ein Fluss, der türkisblaues Wasser hat. Die Farbe bekommt es durch das Gletscherwasser, das sich mit dem Flusswasser vermischt. In der Stadt am Meer, die bekannt für Jadesteine ist, habe ich dann am nächsten Tag einen Jade-Schnitz-Workshop gemacht und mir meinen eigenen Kettenanhänger gefertigt. Das war cool und richtig entschleunigend. Den Rest des Tages verbrachte ich am Strand und plante die kommenden Stationen.

In Hokitika stehen mehrere Skulpturen aus Treibholz am Strand.

Hokitika Gorge

Wolken am Gebirge: Wo sind die Gletscher?

Das waren und sind die beiden Gletscher, die ich jedoch an zwei Tagen, an denen ich mich jetzt hier in der Region aufhalte, noch nicht gesehen habe. Gestern hat es bis in den frühen Nachmittag geregnet und die Wolken hingen so tief, dass ich mich gegen die Walks zu den Gletschern entschieden habe. 

Dafür habe ich in Fox Glacier den Walk um dem Lake Matheson unternommen. In diesem spiegeln sich die Berge - wenn nicht gerade die Wolken die Sicht verhindern. Ich hatte etwas Glück und die weiße Decke hatte sich etwas gehoben. Aber der Blick bei Sonnenschein und klarem Himmel muss von hier aus echt die Wucht sein. Nicht ohne Grund heißt der Aussichtspunkt hier: View of the views.

Blick  auf dem Lake Matheson, in dem sich die Berge spiegeln - und die Wolken.

Für meinen heutigen Heli Hike war ich dann aber optimistisch. In der Wetterapp war Sonnenschein angezeigt. Ich wollte mit dem Helikopter auf den Gletscher und dort eine geführte Wanderung machen. Die Gruppe hatte sich die Gletscherschuhe, Regenhose und -jacke schon angezogen, doch der Pilot sagte den Flug dann ab. Verständlich. Die Wolken hingen noch immer super tief. 

Strand statt Gletscher: In 40 Minuten vom Gebirge ans Meer

Ich entschied mich dann zum Strand zu fahren. Ja das ist auf Neuseelands Südinsel möglich, von den Bergen ans Meer in nur 40 Minuten. Meer geht immer, dachte ich. Ein Tag am Strand, denn die Sonne schien tatsächlich im Tal. 

Doch der Gillespie Beach bestand aus Millionen von Steinen und die Wellen waren so hoch und stark, das an Baden nicht zu denken war. Übrigens nicht das erste Mal in Neuseeland. Aber auch hier gab es einen Walk und so bin ich zwei Stunden bis zur nächsten Bucht (Galway Bay) gelaufen und zwei Stunden wieder zurück. Dabei bildeten die Steine vom Strand auch ein Teil des Weges durch den Wald - erinnerte mich an den Zauberer von Oz. Ich fand überhaupt, dass der Weg etwas Magisches hatte. Vielleicht weil er so weit entfernt von allem war und die Natur hier einfach Natur war.

Gillespie Beach

Weg durch den Wald am Gillespie Beach.

Nachdem ich eine Brücke über einen Creek passiert hatte, folgte ich einem Pfad, der eher ein ausgetrockneter Wasserlauf war, der aber ab und zu noch nasse Stellen hatte. Alles war voller Moos, Steine und Wurzeln. 
Der Weg zur Galway-Bucht.

Zwei Hangrutsche musste ich überwinden, die vorher angekündigt worden waren. Pass with care ... wird schon. Naja, der zweite Hangrutsch war so groß, dass nicht zu erkennen war, wo der Weg im Wald weitergeht. Ich bin dann erst mal schräg nach unten gelaufen und da dann mit beiden Füßen bis zu den Knöcheln versunken und fast stecken geblieben. Kein schönes Gefühl, weil ich auch wusste, so schnell kommt hier keiner vorbei. 

Zwei Hangrutsche hatten den Weg blockiert. In einem blieb ich stecken.

Doch ich konnte mich befreien und habe den "richtigen" Weg gefunden. Der Abstieg zum Strand war dann auch abenteuerlich über zwei Leitern und große Steine. Doch die Bucht hatte ich dann ganz für mich alleine. Robben, die hier öfter mal zu sehen sein sollen, waren keine da. Ich bin aber auch nicht so weit gelaufen, da das Wasser dann auf einmal plötzlich um mich herum war als ich auf einem Stein stand. Zum Glück hat die Welle mich nur nass gemacht und nicht mitgerissen. Also zwei Mal Glück gehabt, da habe ich dann doch den Rückweg in Angriff genommen.

Geschafft. Nach zwei Stunden am Gallway Beach.

Jetzt geht es morgen weiter über den Haast-Pass nach Wanaka und Queenstown. Morgen früh ist die letzte Chance, dass der Fox Glacier vielleicht zu sehen sein wird. Zumindest heute Abend ist der Himmel soweit aufgeklart, dass ich die kompletten Berge einmal sehen konnte. Also Daumen drücken.

Zum Sonnenuntergang verschwanden die Wolken an den Bergen.


Kommentare

  1. Wieder das totale Abenteuer, ein paar neue Schuhe inklusive 🙃. Die Daumen für morgen sind gedrückt 👍🏼👍🏼

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