Surfcamp Australia: Erste Surfversuche

Es schmerzt, wenn ich meine Arme hebe. An der Hüfte hat sich ein blauer Fleck gebildet, an Händen und Füßen erinnern kleine Schürfwunden an die letzten Tage. Aber ich hab es durchgezogen und geschafft, ich stand auf dem Surfboard auf dem Wasser.

Drei Tage Surf Camp Australia am Seven Miles Beach, der etwa zwei Stunden südlich von Sydney liegt. Surfen lernen ist kein Zuckerschlecken. Das ist harte Arbeit, die sehr viel Kraft, Ausdauer und Geduld braucht. Und wer nicht gerne Wellen um sich hat und sich unter Wasser nicht wohl fühlt, sollte es gar nicht erst versuchen. Doch wer die Herausforderung sucht und das Meer liebt, der ist hier genau richtig. Das Gefühl auf eine Welle zu surfen und die Kraft des Wassers zu spüren, ist unglaublich berauschend.
Mit dem Bus ging es von Sydney zum Surfcamp. Die Bungalows in denen wir schliefen, sechs Betten in einem Raum, befanden sich auf einem Campingplatz. Die Schlafräume umstellten den zentralen Gemeinschaftsplatz mit Bänken und Tischen. Hier wurde gegessen, gespielt, gelacht. Alles draußen.
Nach der Ankunft gab es Sandwiches zum Mittag, dann wurden die Wetsuits angezogen und ab zum Strand. Die Surfboards haben wir in Strandnähe abgeholt und zum Wasser getragen. Dann mussten wir rausfinden, welches Bein beim Surfen vorne steht. Links ist regular, rechts ist goofy. 

Surfen mit chicken wing und Kick

Coach Finn hat uns auf dem Strandsand gezeigt, wie man surft. Kurzfassung: Pandeln, Welle erreicht die Füße, drei Paddelschläge, Hände auf Brusthöhe flach aufs Bord, hochstemmen, rechtes Bein anwinkeln (regular), sodass der Fuß auf Kniehöhe ist und mit der Innenseite auf dem Bord liegt (chicken wing). 

Dann kommt der schwere Part. Das link Bein wird per Kick unter dem Körper nach vorne geholt, sodas es angewickelt mit dem Fuß zwischen beiden Händen steht. Aber dabei die Hüfte unten lassen. Dann aufrichten und lossurfen.
Theoretisch alles klar und auf dem Sand klappt es auch ganz gut. Ab mit dem Bord in die Wellen, die am Montag durch den Wind auch mal von links und rechts kamen. Das Bord über die Wellen zu hieven und mit den Beinen der Strömung standzuhalten, hat mir die meiste Kraft geraubt. Schwer auch die Entscheidung, welche Welle die richtige ist. Manche waren so stark, dass das Surfbrett unter mir wegsauste. Gesurft bin ich am ersten Tag noch nicht, aber bis zum Kick hatte ich es geschafft.

Nach knapp 3 Stunden waren wir zurück im Camp. Zum Abendessen gab es Nudelauflauf und Hühnchen, zur Unterhaltung ne Runde Uno.

Der zweite Tag war von den Surfbedingungen richtig mies: starker Wind (crossshore), sehr hohe Wellen (over head high) und eine starke Strömung. Selbst die Surflehrer sagten, das war heftig. 

Aber wir sind trotzdem rein. Am Vormittag und am Nachmittag. Dass ich am Nachmittag überhaupt noch die Kraft finde, mich auf dem Bord hochzustemmen, habe ich beim Mittagessen (Burger) nicht erwartet. Jede Bewegung tat weh. Aber es ist krass, welche Kräfte man noch aktivieren kann. Ich war so stolz auf mich, auch wenn ich immernoch nicht richtig gesurft war. Einmal stand ich für vielleicht zwei Sekunden. Ein kleiner Erfolg. 
Doch dann kam der dritte Tage und der vierte Surflehrer, Luke, (aber alle waren toll), zeigte mir endlich eine Technik, mit der ich besser aufstehen konnte. Denn beim Chicken Wing rutschte ich oft weg und der Kick gelang mir nicht weit genug. Mit seiner Hilfe, er hielt hinten das Bord, sodass es stabiler war, stand ich ein paar Mal und dann hab ich es auch alleine geschafft.

Puh. Das war kräftezehrend, aber hat auch sehr viele Glücksgefühle ausgelöst. Wir haben auch gelernt, was man bei Wind, Wellen und Gezeiten beachten muss, um gute Surfbedingungen zu erkennen. 

Jetzt hat sich mein Körper in Newcastle erst mal regeneriert und ich überlege, ob ich mich in Byron Bay bei einem weiteren Surfkurs mit dem Bord in die Wellen wage. 

P.S. Fotos vom Surfen gibt es, sind aber noch nicht zu mir gelangt. Möglicherweise teile ich sie dann mit euch :)

Kommentare