Einmal durch Europa: In Rumänien am Ziel vom Eurovelo 6
Kein offizieller Endpunkt, kein Hinweis, kein Schild: Ich selbst bestimme, hier ist jetzt das Ende des Eurovelo 6. Ich stehe in Constanza am Schwarzen Meer, neben mir das alte Casino, ein Wahrzeichen der Stadt. Ein leiser Abschluss ohne Konfettikanonen und andere Radler, die mit mir feiern, aber dafür mit ganz viel innerer Freude und Glück.
4609,94 km habe ich vom Start am Atlantik in Saint-Brevin-les-Pins in Frankreich bis Constanza in Rumänien zurückgelegt. Ich bin durch zehn Länder geradelt, habe vier Hauptstädte besucht, bin fast dem gesamten Flusslauf der Donau gefolgt und habe viele tolle Gespräche auf den Wegen und Zeltplätzen geführt. Ich kann jetzt schon sagen, diese Radtour ist ein besonderes Abenteuer in meinem Leben.
Und ein Abenteuer, was mich stolz macht. Denke ich an die ersten Tage in Frankreich zurück, an das Gewöhnen ans Immer-draußen-sein, an die Hitze, den Dreck, das Kochen auf dem Boden - ich war nicht wirklich sicher, ob ich das zweieinhalb Monate durchziehe. Doch ich hab es geschafft - mit viel Freude dabei. Ich hab quasi mein Draußen-Ich in mir entdeckt. Aber Hand aufs Herz: So lange draußen sein am Stück muss ich nicht wieder. Zumindest nicht bei Temperaturen zwischen 28 und 42 Grad.
Anspruchsvolle letzte Kilometer
Die letzten Tage auf dem Fahrrad von Silistra bis Tulcea am Donaudelta und von dort nach Constanza waren noch mal anspruchsvoll. Es ging beständig bergauf und -ab, zum Teil mit Steigungen von zehn Prozent über längere Zeit. Doch die Aussichten aufs Donautal und die Hügellandschaft waren jede Anstrengung wert.
In Tulcea bin ich bei einer geführten Tour mit dem Schnellboot ins Donaudelta bis zum Kilometer 0,0, der durch den alten Leuchtturm von Sulina markiert wird. Das war ein besonderer Moment. Mir fehlen immerhin nur 35 km Flussabschnitt zwischen Donaueschingen und Tuttlingen, ansonsten habe ich den gesamten Flusslauf erlebt mit dem oberen Donaudurchbruchstal, der Weltenburger Enge, dem Dreiflüsseeck in Passau und dem Eisernen Tor.
Der Bootsführer im Delta versuchte auch raus aufs Schwarze Meer zu fahren, doch der Wellengang war so hoch, dass wir aus meiner Sicht nicht ungefährlich von den Wellen "fielen". Als dann eine Menge Wasser über den Bug ins Boot schwappte, drehte der Bootsführer zum Glück um.
Im Delta konnten wir Pelikane, Kormorane, Schwäne, Reiher und Adler sehen. Ich war mit Rumänen und Ungarn an Bord, die sich untereinander in ihrer Sprache unterhielten. Wichtiges haben sie mir auf Englisch oder Deutsch übersetzt. Dennoch kam bei mir unweigerlich ein Gefühl der Isolation auf. Vielleicht auch, weil ich in Rumänien keine anderen Radler getroffen habe und mir der Small Talk fehlte.
Umso schöner war es hinter Tulcea auf Anne aus Deutschland zu treffen, mit der ich Kaffee trinken war und die ich abends in Baia wiedergetroffen habe.
Ende eines Abenteuers
Jetzt bin ich also einmal durch Europa geradelt, Wahnsinn. Und auch wenn ich alleine unterwegs war, so war ich doch oft in Gesellschaft. Entweder durch andere Radfahrer und Camper oder digital durch Freunde, Familie, Bekannte, die meine Reise in den sozialen Netzwerken verfolgten und mir viele Nachrichten schickten. Für diese Unterstützung und diesen Rückhalt bin ich sehr dankbar. Und auch für die Besuche entlang der Strecke.
Vor 70 Tagen waren meine Füße im Atlantik. Gestern hat das Schwarze Meer sie umspült. Dazwischen liegt eine Radtour bei der viel Schweiß geflossen ist, ich den Gegenwind angebrüllt habe, Musik und Podcasts gegen die auch mal eintönige Strecke gehört habe, wegen eines verletzten Knöchels pausieren musste, ich an der Organisation der Rückfahrt einige Nerven gelassen habe, viele Minuten staunend am Wasser oder auf den Bergen stand, weil die Aussicht so schön war und tolle Schlösser, Burgen und Städte besichtigt habe.
Jetzt kommt das nächste Abenteuer: die Rückreise nach Deutschland mit Bahn und Bus. Gar nicht so einfach, wenn man ein Fahrrad transportieren möchte.
Herzlichen Glückwunsch 🍾 🎇🎇🎇👏👏👏 Chapeau! Es ist beeindruckend, was Du hier vollbracht hast und spannend, wie auch inspirierend, Deine Berichte darüber zu verfolgen. Ich bin gespannt wie ein Flitzbogen, was dann wieder in Übersee so los ist☺️. Aber zunächst einmal eine gute Heimreise - ohne Hunde im Abteil.
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