Serbien und das Eiserne Tor: Kurz vorm Endspurt auf dem Eurovelo 6 ans Schwarze Meer

Auf einem roten Stein in Rumänien steht Constanta 146 km. Zuletzt gab es in der Schweiz einen Hinweis auf die Stadt am Schwarzen Meer, in der meine Reise auf dem Eurovelo 6 endet. Jetzt ist sie so nah. Die letzten drei Tage waren so eintönig von der Landschaft und den Wegen. Ich bin nur auf der Straße gefahren, die zum Teil porös und uneben war, der Verkehr im Nacken, der Fahrtwind der Lkw im Gesicht. Ich könnte also abkürzen und in zwei Tagen am Ziel sein. Doch dieser Gedanke hat keine Chance zur Entfaltung. 

Ob 146 km oder 476 km - so viele sind es noch auf dem Eurovelo 6 entlang der Donau - macht keinen Unterschied, wenn man schon mehr als 4200 km vom Atlantik durch Europa geradelt ist. 
Und wer weiß, was ich verpasse, wenn ich der Donau nicht bis ins Delta folge und von da erst nach Constanta fahre (Screenshot von eurovelo.com). Vielleicht bleibt es eintönig, aber vielleicht wird es ein Highlight wie die Fahrt zum und durch das Eiserne Tor.

Highlight auf dem Eurovelo 6
Das Eiserne Tor ist ein Donaudurchbruchstal mit einer Engstelle. Es beginnt in Golubac, wo eine Festung am Donauufer dort steht, wo der Fluss anfängt sich schmaler werdend durch die Südkarpaten zu schlängeln. 
Ein Turm der Festung steht im Wasser, da durch Aufstauen der Wasserspiegel gestiegen ist. Schon der Weg nach Golubac war einfach toll, weil die Landschaft bergiger wurde. 
An den Hügelketten hinter Golubac, an denen sich die Wolken verfangen, und die mal bewachsen, mal nackter Stein sind, konnte ich mich gar nicht satt sehen. 
In Lepenski Vir habe ich mir die Ausgrabungsstätte angesehen, die eine Siedlung aus dem Jahr 9500 vor Christus (!) nachweist, eine der ersten in Europa. 

Dann ging es stetig bergauf, durch viele nicht beleuchtete Tunnel. Und als ich aus einem dieser Tunnel fuhr, lag die Engstelle plötzlich vor mir. Der Blick von oben auf die weißen, kantigen Felsen, die die Donau einschnüren. Eine fantastische Aussicht.
Es ging immer weiter bergauf dem Fluss durch das Gebirge folgend. So hoch, dass ich über die Südkarpaten gucken konnte. Wahnsinn. Ich war so happy, vor allem weil ich am Vormittag noch bei Regen gefahren bin und mit schlechter Sicht gerechnet hatte. Das Eiserne Tor ist bisher der schönste Abschnitt auf dem Eurovelo 6.
Gastfreundschaft in Serbien
Seitdem ist es landschaftlich eher öde geworden. In Rumänien fahre ich nur auf der Straße, zwar durch viele Dörfer, aber entfernt von der Donau.
In Erinnerungen bleiben hier eher die Menschen. Sie winken, sie grüßen zurück, die Kinder kommen, um mir ein High Five zu geben. Zu Gesprächen kommt es eher selten, da viele kein Englisch sprechen.

Anders in Serbien, wo ich Menschen kennengelernt und mich mit ihnen auf Deutsch oder Englisch unterhalten habe. Hier habe ich in Gärten gezeltet, die Familien für Camper liebevoll hergerichtet haben mit Küche, Dusche und Toilette. Hier geht es familiär zu. Bei Milena gab es Holunderlimonade und bei Bojan Eis, dazu tolle Gespräche über Serbien und die Welt.
In Serbien hatte ich auch Harry aus England und Manfred aus Deutschland getroffen, mit denen ich Kaffee trinken war und die ich einzeln später wiedergetroffen habe. 
Seitdem hab ich leider keine Radler mehr gesehen und gesprochen. Das liegt auch daran, dass es jetzt in Rumänien am Eurovelo 6 keine Campingplätze mehr gibt, auf denen alle am Ende des Tages eintrudeln. Ich hab mir jetzt Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen gebucht.
Grenzkontrolle in Bulgarien und Rumänien
Seit Belgrad bin ich drei Mal über die Grenze. Erst von Serbien nach Bulgarien. Am Grenzübergang bei Bregovo war nichts los. Schnelle Ausweiskontrolle und weiter den Tag durch Bulgarien bis Vidin. Da hab ich mir die Burg angeschaut.
Am nächsten Tag dann über die Europabrücke nach Calafat in Rumänien, wo an der Grenze richtig viel Betrieb war und sie meinen Ausweis sehen wollten. Rumänien und Bulgarien gehören zwar zur EU, aber nicht zum Schengen-Raum, daher werden alle Ausweise und Fahrzeuge kontrolliert.
So auch ein paar Tage später am Grenzübergang in Silistra, wo ich eine Stunde gewartet habe. Die Stadt liegt in Bulgarien an der Donau und hier hab ich mir für zwei Nächte ein Hotel genommen.

Hunde in Rumänien
Jetzt beginnen die letzten Tage meiner Radtour. Einen Stock zum Abschrecken der Hunde habe ich übrigens nicht bei mir. Doch die Sinne sind geschärft, bei jedem Hundegebell schaue ich, ob ein Vierbeiner angerannt kommt. Dann werde ich langsamer oder steige ab. Doch oftmals liegen sie am Straßenrand, die meisten interessieren sich nicht für Radfahrer. 

Kommentare

  1. Mit den unbeleuchteten Tunneln ist heftig, ich Spanien hatte ich das auch öfter und bin immer gerast um da schnell rauszukommen, nach jedem Tunnel war ich voll fertig :-). Bald ist es geschafft, nur noch wenige Meter 😀.Gute Fahrt wünscht Jochen Arenz

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