Roadtrip um die Great Lakes in USA/Kanada
Wo fange ich nur an? Beim Elch, der im Killarney Provincial Park plötzlich am Straßenrand stand? Bei den Sterne, die sich im Rock Lake im Algonquin Nationalpark gespiegelt haben? In Chicago, wo ich beim ersten Blick auf See und Skyline wusste, dass ist eine Stadt zum Leben? Oder bei meinen Wanderschuhen, die ich in Door County vergessen habe?
Am Abend sind wir noch einen Trail am Campingplatz gelaufen, bevor wir uns ein Lagerfeuer entzündet haben. Auf jedem Campingplatz gibt es eine Feuerschale und ein Tisch mit Bänken in jeder Parzelle.
Drei Wochen Roadtrip mit Vanessa um die großen Seen in USA und Kanada liegen hinter mir. Etwa 4000 Kilometer. Ein Mix aus Natur pur mit übernachten im Zelt und Großstadtrummel mit Sightseeing und Musical.
Detroit - Motown-Musik und Riverwalk
Nach Ankunft am Flughafen von Detroit sind wir zwei Tage in der Stadt geblieben. 600000 Einwohner, doch Detroit ist sehr ruhig, kaum Verkehr, wenig Leute unterwegs. Die Wolkenkratzer engen nicht ein, breite Straße und freie Grundstücke/Flächen bringen Weite. Die Stadtteile Corktown und Greektown sind nah am Zentrum und mit Bars, Restaurants und Shops bunt gemischt, laden ein.
Wir haben das Motownmuseum besucht, wo Stars wie The Supremes, Diana Ross oder die Jackson 5 ihre Hits aufnahmen. Wir haben im selbel Studio zu "My girl" gesungen und getanzt. Das Musiclabel ist auch durch Shows bekannt, mit der die Stars auf Tournee durch Europa waren.
Wir sind am Detroit River lang spaziert. Der Riverwalk ist neu, bietet Abwechslung durch verschieden gestaltete Bereiche, Spielplätze und Cafés. Wir haben den Eastern Market besucht, wo frisches Obst und Gemüse verkauft wird, waren danach in der Heidelbergstraße, wo Künstler des Heidelberg Projects Farbe in das Viertel bringen wollen: Farbkleckse auf der Straße, ausrangierte Konsumgüter zu Kunst arrangiert.
Niagara Falls in Kanada
Von Detroit sind wir nach Niagara Falls gefahren und haben dort gecampt. Am nächsten Tag dann früh zu den Wasserfällen. Der Parkplatz war noch so leer, dass wir direkt am Visitor Center Table Rock geparkt haben. Zuerst waren wir am Horseshoe-Fall. Hier stürzt der Niagara River in Hufeneisenform 56 Meter in die Tiefe. Die Sonne stand noch so tief, dass wir den gesamten Wasserfall erst gar nicht sehen konnten.
Bei der "Journey behind the fall", die im Adventure Pass enthalten war (59 Dollar), ging es per Fahrstuhl runter und in einem Tunnel hinter die Fälle. Durch zwei Tunnel konnte man dann raussehen. Unspektakulär. Cooler war die Plattform direkt neben dem Wasserfall.
In einem Film, 4D Kino, haben wir die Entstehung der Wasserfälle gesehen. Danach sind wir am Niagara River lang gelaufen. Von der kanadischen Seite hat man einen beeindruckenden Blick auf die Wasserfälle. Weniger Meter vom Horseshoe Fall gibt es einen zweiten Wasserfall.
Beim White Walk sind wir einen Boardwalk am Fluss entlangegangen. Insgesamt waren wir 5,5 Stunden an den Niagara Fällen und sind dann nach Toronto gefahren.
Toronto - CN-Tower und Street Art
Zwei Tage sind wir ins Stadtleben eingetaucht. Wir haben eine Free Walking Tour gemacht, waren auf dem CN-Tower, auf Toronto Island, im Distillery District - eine alte Schnapsfabrik, in der sich jetzt Restaurants und Shops befinden -, haben Chinatown, Kensington Market und Harbourfront erkundet.
Die Stadt ist bunt und vielfältig. Hochhäuser in unterschiedlichster Architektur, aber auch Kirchen, Backsteinhäuser. Es gibt viel Street Art und ziemlich viele Tacco-Läden sowie die Kaffeekette Tim Hortens. Letztere haben wir für uns entdeckt. Guter Kaffee und Snacks.
Anderthalb Wochen in der Natur
Nach Toronto begann unser Outdoor-Leben: Zelten im Wald, der Sternenhimmel in der Nacht über uns, am Tag wandern, paddeln, im kalten See baden, One-Pot-Gerichte auf dem Gaskocher zum Abendessen, Lagerfeuer.
Zuerst ging es in den Algonquin Provincial Park. Die ersten beiden Wanderungen bei Ankunft führten durch den Wald zu Aussichtspunkten. Wir waren direkt begeistert von der Weite des Parks und dem beginnenden Indian Summer.
Der Campingplatz am Rock Lake liegt mitten im Park. Keine Lichtverschmutzung, Kojoten, die nachts heulen, und ein Sternenhimmel, der sich im See spiegelt. Das hab ich so noch nicht gesehen. Es war magisch.
Besonders war auch die Nacht. Die Temperatur sank auf 6 Grad Celsius. Zum Glück hatte ich den Daunenschlafsack von Vanessa, die mit Kälte viel besser klarkommt als ich und meinen Sommerschlafsack mit Inlet nahm. Am nächsten Morgen bin ich erst mal in die Thermoleggings geschlüpft und hatte vier Oberteile an. Dennoch kein Grund für schlechte Laune. Es war zwar kalt, aber die Luft war klar, der Nebel verzog sich langsam vom See, die Sonne lugte schon zwischen den Bäumen durch und Vanessa hatte Kaffee gekocht.
Die folgenden Nächte waren dann nicht so frostig. Nur eine Nacht in den anderthalb Wochen verbrachten wir noch bei 3 Grad Celsius.
Im Algonquin Provincial Park haben wir eine Zehn-Kilometer-Wanderung gemacht mit tollen Aussichtspunkten mit Blick auf die Seen im Park. Am nächsten Morgen dann noch einen 5- Kilometer-Trail bevor es in den nächsten Park ging.
Killarney Park mit spektakulärer Sicht
Der Killarney Provincial Park war von der Landschaft anders - mehr Felsen, mehr Farben im Gestein. Wir wanderten den Trail The Crack, der erst durch Wald führt, dann einen Berg hochgeht, den man über weiße Felsen und große Steinsbrocken kletternd ersteigt. Oben angekommen hatten wir eine fantastische Aussicht auf den Lake George.
Chipmunks, Eichhörnchen, Schlangen - wir hatten schon einiges gesehen, aber hofften noch auf einen Elch. Als wir den Killarney Park verließen, stand er plötzlich am Straßenrand und trottete gemütlich vor unserem Auto über die Straße. Wildlife hautnah. Jucheee.
Sleeping Bear Dunes in Mischigan
Auf dem Weg zu den Sleeping Bear Dunes National Lakeshore am Mischigan See stoppten wir für die Nacht auf dem Campingplatz an der Mackinaw Bridge, die sich über den Zusammenfluss von Lake Huron und Lake Mischigan spannt. Im Lake Huron waren wir baden. Erfrischend.
Am nächsten Tag dann noch drei Stunden Fahrt bis Glen Abor bei den Sleeping Bear Dunes. Wir liehen uns Räder, fuhren den Heritage Trail Richtung Empire und erklommen die Sanddünen.
Nach Rückgabe der Fahrräder sind wir den Pierce Stocking Scenic Drive gefahren mit schönen Lookouts auf den Lake Mischigan und den steilen Sanddünen.
Gezeltet haben wir im Nationalpark. Die Rangerin erzählte, dass man am See letzte Nacht die Polarlichter sehen konnte. Ich schaute direkt auf die Vorhersage im Internet, aber eine weitere Chance auf Nordlichter hatten wir in unserer Zeit an den Great Lakes nicht mehr. Dafür noch ein paar Mal einen schönen Sternenhimmel.
Picktured Rocks am Lake Superior
So auch im Pictured Rock National Lakeshore, wo wir auf einem Berg nahe Munsing campten mit Blick über die Baumspitzen auf den Lake Superior. Im Nationalpark waren übrigens alle Flächen belegt. Im Algonquin Park hatten wir den letzten freien Platz am Rock Lake ergattert und auch der Campingplatz in Killarney war voll. Zum Glück hatten wir hier einen Tag vorher noch gebucht. Für Kanadier und Amerikaner ist September noch Campingzeit auch wenn einige Plätze schon end of season verkünden.
Die Pictured Rocks liegen am Lake Superior. Auf einer geführten Paddeltour ging es entlang der Felswände, die sich in verschiedensten Farben zeigten.
Die waren auch am nächsten Tag beim unserer 16-Kilometer-Wanderung sehr beeindruckend. Der Pfad führte auf den Klippen entlang. Das klare Seewasser, Bäume, die sich noch an der Felswand mit ihren Wurzeln festkrallen, abgestürzte Steine - es gab so viel zu sehen. Nur die schwarzen Fliegen, die uns bissen, sobald wir stehen blieben, ließen uns nicht lange verweilen. Zudem war es sehr heiß. Wir kühlten uns beim Bad im See ab.
Door County am Lake Mischigan
Nach drei Nächten am Lake Superior fuhren wir nach Süden zum Lake Mischigan, dieses Mal an die andere Uferseite. Im Door County, eine Halbinsel im See bei Green Bay, schauten wir uns die Whitefisch Dune States National Area und den Peninsula State Park an. In letzteren gibt es einen Aussichtsturm und ich sah einen weißen Pilkan ganz nah vorbeifliegen.
Nach zwei Nächten fuhren wir nach Chicago. Ich bemerkte erst drei Tage später, dass ich meine Wanderschuhe auf dem Zeltplatz vergessen habe. Ich hatte die zum Auslüften unters Auto beim Kofferraum gestellt. Dumm. Zum Glück hat der Campingplatzbetreiber sie gefunden. Er schickt sie mir nach Kanada. Unglaublich nett. Er wollte kein Geld dafür.
Chicago - Wolkenkratzer und Hamilton
Der erste Blick auf Chicago hat mein Herz im Sturm erobert. Durch den Lincoln Park sind wir zum Lake Mischigan. Am See stehend ist das andere Ufer nicht zu erkennen. Es scheint, die Wellen eines Meeres schwappen an den Strand. Die Skyline erhebt sich am Ufer, auf dessen Promenade Jogger und Radfahren unterwegs sind. Das Leben pulsiert und das typische Essen ist klasse.
Wir haben gleich am ersten Abend die Chicago Pizza probiert. Stuffed Pizza, die so hoch ist wie ein Kuchen mit Käse und Spinat gefüllt (oder anderen Zutaten), dann Tomatenpaste oben drauf. Leeeecker.
Am ersten vollen Tag in Chicago sind wir zur Free Walking Tour, haben eine Bootstour zur Architektur gemacht und waren im Hamilton-Musical. Wir saßen in der 11. Reihe vor der Bühne und haben nur etwa 47 Euro bezahlt. Klasse. Last Minute-Tickets. Die Musik haben wir immernoch im Ohr.
Am zweiten Tag waren wir im kostenlosen Zoo im Lincoln Park. Dann sind wir am Ufer des Lakes in die Stadt zum Navy Pier gelaufen, um einen Chicago Hot Dog zu essen. Der ist mit einem Relish, Tomate, Gewürzgurke, Senf und Zwiebeln angerichtet. Dann in den Millenium Park um einen der größten Springbrunnen der Welt zu sehen, Buckingham Fountain.
Am Abend sind wir den Riverwalk lang zu "art on the mart". Eine Lichtinstalltion an der Gebäudefassade eines großen Hauses mit Musik. Dann zur Buckingham Fountain zurück, weil die abends jede Stunde mit Lichtshow und Musik in Szene gesetzt wird.
Tags darauf sind wir dann vormittags auf den Hangock Tower, um Chicago von oben zu sehen. Danach haben wir die Stadt mit dem Auto verlassen. Eine Stunde entfernt liegt der Indiana State National Park.
Indiana State National Park und Ann Arbor
Im Nationalpark sind wir noch einen Trail durch Wald und Dünensand gewandert und dann auf den Campingplatz. Eine letzte Nacht im Zelt.
Am letzten Tag an den großen Seen sind wir noch einen schönen, kurzen Wanderweg über die Sanddünen gelaufen. Auf Treppen ging es die Dünen hoch und runter.
Nächstes Ziel war Ann Arbor, eine Kleinstadt nahe des Flughafens von Detroit. Wir trafen einen Schulfreund von Vanessa und übernachteten im Motel.
Was noch in Erinnerung bleibt
Fazit nach drei Wochen Roadtrip USA/Kanada: Es gibt viele Radionsender für Countrymusik und Religionsanhänger. Die Sender mit "adult pop" spielen vieles aus den 90er und 2000er Jahres. "Lange nicht gehört", sagten wir öfter.
Mit ihren Maßeinheiten inches, feet, miles und galleone sind die USA eigen und wir mussten oft umrechnen. Nach Labor Day (erster Montag im September) wird das touristische Angebot runtergefahren. Dennoch konnten wir noch einiges machen. Allerdings kosten Aktivitäten wie Rad ausleihen und Paddeltouren sehr viel Geld. Für die Nationalparks und Stateparks muss man ein Permit zahlen, in Kanada war dieses beim Camping im Preis inklusive.
Ziemlich verwundert waren wir im Indiana Dunes National Park. In diesem liegt ein State Park für den wir extra zahlen sollten. Vollig verdutzt schaute ich die Parkmitarbeiterin an, hatten wir doch schon 25 Dollar für den Nationalpark bezahlt. So anders kann die Natur im Statepark doch nicht sein. Wir drehten um. Ein Ranger erzählte uns später, dass es historische Gründe habe, warum es einen Park im Park gebe. Selbst Locals seien irritiert davon.
Jetzt ist Vanessa zurück in Deutschland. Ich bin nach Quebec in Kanada geflogen und werde im Oktober hier an der Ostküste bleiben.
Schon echt cool, was wir alles erlebt haben! 😊
AntwortenLöschenMich knutscht ein Elch☺️! Ist das da schön - und noch so viel Platz! Viel Spaß weiter und bestimmt neue Abenteuer, ich bin gespannt.
AntwortenLöschenSo viele und fantastische Eindrücke, es ist so schön mit dem Block hier ein bisschen mitzureisen😊. Liebe Grüße und das Abenteuer geht weiter und weiter 😃, Jochen Arenz
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