Kanadas Osten - Unterwegs auf Bergen, Klippen und dem Meeresgrund

Der Berghang liegt steil vor mir, bestehend aus Geröll und größeren Steinen. Ich klettere los. Mein Ziel ist der Gipfel des Gros Morne auf 806 Metern Höhe. Die 16-Kilometer-Wanderung auf und um den Gipfel ein Abenteuer aus schmalen, stolperreichen Pfaden, matschigen oder unter Wasser stehenden Trampelspuren und Wegen am Abhang. Ich dreh mich um, blicke auf den Gros Morne Nationalpark auf Neufundland und denke, boar, ist unsere Erde schön. 

Ein Gedanke, denn ich während meiner Weltreise dieses Jahr sehr oft habe. Auch in den Cape Breton Highlands im Norden von Nova Scotia, Kanada. 

Carbot Trail und Highlands in Nova Scotia

Hier führt der Carbot Trail durch, eine Straße, die um einen Festlandarm von Cape Breton Islands führt und durch die Highlands geht. Am Anfang sehe ich wenig, weil ich durch Wolken fahre, fürchte schon, dass ich auf der Wanderung nicht sehr viel erkennen werde. Doch mit Fahrt in die Highlands lösen sich die Wolken auf, freie Sicht - und was für eine.
Der Skyline Trail ist einer der beliebtesten Wanderungen hier. Er führt nahezu eben auf dem Berggipfel entlang. Ein Boardwalk und Treppen führen dann runter auf eine Landzunge mit Blick auf Atlantik und Highlands. Bei weitem nicht die einzige tolle Aussicht. Bis ich am Hostel ankomme, halte ich noch an vielen Lookouts auf diese schöne Landschaft. 


Die Unterkunft ist in einer alten Kirche und familienbetrieben. Am Abend tanze ich mit den Kindern und den zwei Aushilfen zu Videos vom Nintendospiel Just dance und gehe danach mit zu einer Jamsession. Gerade wird das Celtic Colours Festival gefeiert und jeder kann sein Musikinstrument mitbringen. Vom Hostel hab ich eine Rassel mitgenommen und begleite die Musiker rythmisch. Fidel-, Gitarren- und Querflötenklänge ertönen zusammen. Mit Hilfe von google suchen wir die Texte zu den Volksliedern und singen mit.
Auf Neufundland fast alleine unterwegs 
Nach zwei Tagen in den Highlands geht es auf die Fähre nach Neufundland. Die Saison ist zu Ende nur wenige Passagiere sind an Bord. Das merke ich auch auf der Insel. Auf den Wanderungen bin ich nahezu allein unterwegs, in Twillingate im Hostel einziger Gast. 
Der Ort ist bekannt für die vorbeiziehenden Eisberge und Wale - allerdings im Frühjahr/Sommer. Die Landschaft ist jedoch nicht saisonabhängig und der Trail entlang der Küste lässt mich in Buchten hinunterschauen mit spitzen Felsen und tosender Gischt.
In St. Johns, Hauptstadt der Provinz Neufundland, gehe ich auf den Signal Hill. Von hier wurde 1901 das erste Funksignal nach Europa gesendet. 
Es ist stürmisch, die Sicht durch Wolken und Regen nur bedingt weit, doch sie reicht aus, um die Besonderheit des Ortes zu erkennen. Ein Wanderweg führt um den Signal Hill herum an der engen Hafeneinfahrt entlang, die zwischen zwei Bergen liegt, der Hafen und die Stadt geschützt dahinter. An die kriegerische Verteidigung der Einfahrt wird mit Schautafeln und Kanonen erinnert. 

Zweites Highlight in St. John's ist das Cape Spear, der östlichste Punkt Nordamerikas mit zwei Leuchttürmen - einen modernen für die heutige Seefahrt und einen älteren. 

Von St. John zurück nach Port aux Basques, wo die Fähre ablegt, sind es 900 Kilometer - einmal über die Insel. Die fahre ich in zwei Tagen und stoppe im Terra Nova Nationalpark für einen kurzen Hike und in Gander - einem Ort, der mit dem 11. September 2001 Berühmtheit erlangte. Weil der amerikanische Luftraum aufgrund der Anschläge gesperrt wurde, mussten zahlreiche Flugzeuge woanders landen. In Gander verdoppelte sich die Einwohnerzahl innerhalb von Stunden. Einheimische nahmen Fremde auf, die zu Freunden wurden. Das Musical Come from away erzählt diese Geschichte. Wird in Gander leider nur bis September aufgeführt.
In Corner Brook bin ich nach der Autofahrt noch auf einen Berg hoch mit wieder mal fantastischer Sicht. Ein schöner Abschluss für Neufundland.

Ebbe und Flut in der Bay of Fundy
Zurück auf dem Festland bin ich zur Bay of Fundy gefahren. Hier gibt es an den Hopewell Rocks einen der höchsten Gezeitenunterschiede in der Welt. 14 Meter bewegt sich das Wasser zwischen Ebbe und Flut. Die Felsformationen an der Küste stehen bei Hochwasser bis zu vier Meter im Atlantik. Bei Ebbe erkundet man quasi den Meeresgrund, ist auf Augenhöhe mit den Algen.


Danach bin ich zwei Tage im Fundy Nationalpark gewandert. Ein schöner Abschluss meiner Nationalpark-Zeit in Kanada. Der letzte Hike war noch mal viel kraxeln über Steine und Wurzeln entlang eines Flusslaufes.
Jetzt geht es zurück nach Quebec-City, wo ich den Mietwagen abgebe. Den vorletzten Tag mit dem Auto, mit dem ich mehr als 5500 Kilometer in 29 Tagen zurückgelegt habe, fahre ich durch Schneeregen, Kanada verwandelt sich in ein Winterwonderland.
An Halloween komme ich dann mit dem Bus in Montreal an. Die Häuser und Gärten sind seit Wochen in Kanada schon entsprechend gestaltet: Gräber, Spinnenweben, Geister, Hexen, Kürbisse. Schon im September konnte man Süßigkeiten in riesigen Abpackungen kaufen. 

Montreal ist meine letzte Station in Kanada bevor es mit einer Übernachtung in Toronto dann mit dem Bus über die Grenze in die USA nach Buffalo geht. 

Kanada hat mich total begeistert. Schon der Algonquin Nationalpark und der Killarney Provincal Park, die ich mit Vanessa im September bereist habe, waren sehr besonders. Die Niagara Fälle ein absolutes Highlight. Die langen Autofahrten jetzt alleine im Oktober bleiben in Erinnerung, weil das Laub an den Bäumen so farbintensiv war und es durch die hügelige Landschaft ein Auf und Ab war mit klasse Ausblicken auf Wälder, Seen und den Highway vor einem. 
Die Nationalparks waren jeder für sich einzigartig, der Gros Morne hat jedoch den größten Eindruck bei mir hinterlassen. Nicht nur weil die Gipfelbesteigung des Gros Morne ein Abenteuer und die Aussichten so fantastisch waren, auch weil mit den Tabelands mitten im grünen Nationalpark plötzlich Berge mit kaum Vegetation liegen. Ich kann mir gut vorstellen, hier noch mal herzukommen.

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