Cincinnati, Nashville, Memphis: Am Mikro von Elvis, am Balkon von Martin Luther King Jr
Elvis Presley hatte einen Zwillingsbruder, der bei der Geburt gestorben ist. Dolly Parton hat "I will always love you" zuerst gesungen. "Rocket 88" gilt als der erste Rock 'n' Roll - Song.
Gewusst? Ich nicht! Drei Fakten, die ich in den vergangenen Tagen in Nashville und Memphis gelernt habe. Dort habe ich mich mit der Musikgeschichte des Rock'n' Roll beschäftigt - für mich mit vielen neuen Hörerlebnissen, da meine Ohren sonst eher Alternative und Indie Rock geboten bekommen. Statt The Killers und Madsen nun also Elvis Presley, Johnny Cash, Jerry Lee Lewis und etwas Country-Musik.
Graceland - Fast alles über Elvis
Wer Einblicke in das Leben des King of Rock and Roll bekommen möchte, der fährt nach Graceland, Memphis. Das Anwesen des Superstars ist für die Nachwelt erhalten. Mit einem Audioguide geht es durch die Wohnräume und anschließend in einen Flachbau mit Infos über Familie und vielen Dokumenten zum Anwesen.
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist ein großer Komplex mit Ausstellungen und Giftshops zu Elvis. Über sein Leben während der Armee-Zeit in Deutschland, seine Entdeckung durch Sam Phillips und Marion Keisker im Sun Records Studio, seine Filme, seine Zeit als Showstar in Las Vegas, seine Oldtimer, seine Flugzeuge.
Es gibt viel Film- und Fotomaterial, viele authentische Stücke aus Leben und Karriere: Geldbörse, Bühnenschuhe, Kinderwagen seiner Tochter Lisa Marie. Wer alles sehen möchte, zahlt 76 Euro Eintritt.
Was mir persönlich etwas gefehlt hat, ist der vertiefende Blick hinter die Showkulisse. Wie ist er mit dem Druck der Öffentlichkeit umgegangen? Wie ging es ihm physisch und mental mit so vielen Konzerten und Shows am Stück? Wie hat die Familie das mitgetragen? Ich hätte es auch gut gefunden, wenn noch mehr eingeordnet worden wäre, warum seine Musik zur damaligen Zeit so einzigartig war. Das kam mir persönlich zu kurz.
Mein Weg führte mich daher ins Sun Records Studio - Geburtsort des Rock and Roll, ebenfalls in Memphis. Hier kostet die Führung 14 Euro. Johnny Cash, B.B. King, Roy Orbison haben hier bei Sam Phillips neben Elvis ihre Musik aufgenommen.
Das Studio aus den 1950er Jahren hat sich nicht verändert. Ein schwarzes Kreuz am Boden markiert die Stelle, an der Elvis gestanden haben soll. Und wer möchte, kann ein Foto mit dem Mikro machen, in dass er gesungen haben soll. DNA von ihm sei aber nicht mehr dran, erzählt der Tourguide. Es werde regelmäßig gereinigt.
Broadway in Nashville
In Memphis Downtown ist die Beale Street mit Bars und Restaurants Anlaufpunkt für Musikliebhaber. Tagsüber ist an diesem Novembertag tote Hose. Ganz anders in Nashville am Broadway. Hier spielen in jeder Bar Livebands, meist ab 10.30 Uhr bis 3 Uhr nachts. Gitarrenklänge und Schlagzeug mischen sich auf der Straße zwar mit Baulärm der vielen Baustellen, doch die Atmosphäre ist trotzdem toll.
In der Musician Hall of Fame in Nashville stehen die Bands hinter den Solokünstlern im Fokus. Die Saxophonisten, Pianospieler und Gitarristen sind auf vielen Platten verewigt. Eine extra Abteilung bekommen dann aber trotzdem ein paar Ausnahmekünstler: Jimi Hendrix, Johnny Cash und Glen Campbell.
Und es gibt eine große Fläche zu den Grammys, wo es um die Musikproduktion an sich geht. Wie wird ein Hit aufgenommen, wie die Komposition abgemischt, wie schreibt man einem Song - alles kann man selbst ausprobieren.
Sklaverei und Bürgerrechte in Amerika
In den letzten Tagen habe ich mich jedoch nicht nur mit Musik beschäftigt. Ich war in zwei wirklich guten Museen zu den Themen Sklaverei und Bürgerrechten.
Das National Underground Railroad Freedom Center in Cincinnati erzählt die Geschichte der afrikanisch-amerikanischen Bevölkerung, zeigt aber auch an fünf Beispielen, dass es heute immernoch Sklaverei auf der Welt gibt.
Mit dem American Slave Trade kauften Europäer im 16. Jahrhundert Menschen in Afrika und setzen sie in Amerika als Sklaven ein. Die Ausstellung befasst sich mit dem Leben der Sklaven, den Kampf um die Aufhebung der Sklaverei und erzählt vom Untergrundnetzwerk - Underground Railroad - das für die Flucht von Sklaven aus den Süden in den Norden geschaffen wurde. Durch ein Licht im Fenster wussten die flüchtenden Menschen zum Beispiel, dass sie sich in dem Haus verstecken können.
An das Ende der Sklaverei knüpft dann das Civil Rights Museum in Memphis an. Es ist im Lorraine Motel untergebracht, auf dessen Balkon Dr. Martin Luther King Jr erschossen wurde.
Das Museum zeigt den Weg zum Ende der Rassentrennung, den Kampf für gleiche Rechte für alle - egal ob heller oder dunkler Hautfarbe. Die Geschichte wird anhand von Personen und Ereignissen aufgearbeitet: Angefangen bei Emmett Till, ein 14 Jahre alter afroamerikanischer Junge, der von weißen Männern aus rassistischen Motiven 1955 ermordert wurde. Sie wurden freigesprochen. Die Proteste daraufhin gelten als ein Beginn der Bürgerrechtsbewegung. Beide Museen haben viel Eindruck bei mir hinterlassen.
Stadtführung in Cincinnati und Nashville
Bleibt noch zu erzählen, dass Cincinnati als Stadt mit ihrer Suspension Bridge und dem Stadtviertel Over the Rhine auch schön zum Schlendern war. Over the Rhine bezieht sich auf den deutschen Fluss Rhein und wird so genannt, weil viele Deutsche in dem Viertel lebten - daher auch die Brauereigeschichte der Stadt. Um in das Viertel zu kommen, musste man über einen breiten Kanal, also "über den Rhein". So zumindest hat es die Stadtführerin erzählt.
Von einem Stadtführer in Nashville habe ich auch die Info von Dolly Parton und dem Whitney-Housten-Song (siehe Bloganfang). Bei der Stadtrundfahrt ging es viel um Countrymusik und es ist kaum zu glauben, wie viele Musikstudios und Plattenfirmen Nashville hat, die sich in der Music Row aneinanderreihen. Hier ist auch das Studio B von der Plattenfirma RCA, in dem Elvis Songs aufgenommen hat.
Weihnachten in Graceland
Der soll ein Fan von Weihnachten gewesen sein. Ein Grund, warum in Graceland jedes Jahr feierlich die Festtagsbeleuchtung angeschaltet, sogar im Livestream übertragen wird. Meine Erwartungen waren also sehr hoch, dass muss ja ein Wahnsinns-Event sein. Sogar der Weihnachtsmann war da.
Doch das Event war nichtssagend. Lediglich das Programm der nächsten Tage wurde erzählt, Santa hatte keine Anekdote parat, ohne Festtagsstimmung wurde die Zuckerstange von Off auf On gehebelt. Zumindest danach kam ein Singer und Songwriter mit seiner Gitarre und spielte Weihnachtshits. Aber da muss doch mehr drin sein ... bekommt man auch, als "christmas holiday tour" ab 60 Euro aufwärts. Ohne mich.
Nicht nur in Graceland ist schon Weihnachten. Geschmückte Tannenbäume, Kränze an den Türen, Weihnachtskaffee bei Starbucks - es wird festlich. Nur die Temperaturen verhindern die Weihnachtsstimmung bei mir. Ich sitze bei 20 Grad in New Orleans.
Ihre Kolumne ist ein richtig spannender Reiseführer, vielen Dank😊. Und der "Elvis" mit den langen Haaren😉 ist noch viel besser als das Orginal 😉😄, liebe Grüße Jochen Arenz
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